Die Kampfsportszene ist männlich dominiert. Anna Schmidt gibt deshalb Kurse in Brazilian Jiu-Jitsu – und nur FLINTA* haben Zutritt. Ein Trainingsbesuch.

Text: Laura Catoni — Fotos: Karla Schröder

Es gibt diesen einen Moment auf der Matte, wenn sie gegen einen Mann kämpft, beschreibt Anna Schmidt. Der Moment, indem der Typ erkennt: Scheiße, die ist stärker als ich. Und nicht selten verändere sich danach etwas in der Dynamik des Kampfes – oft raste ihr Gegner völlig aus. Für viele Männer-Egos sei es immer noch das Schlimmste, gegen eine Frau zu verlieren. „Wenn ich merke, dass ich meinen Gegner kontrollieren kann, ist das wahnsinnig empowernd“, sagt Anna Schmidt, „weil sich dann das Machtgefüge für einen Moment umdreht.“

Seit 15 Jahren macht Schmidt Kampfsport, seit fünf Jahren vor allem Brazilian Jiu-Jitsu, kurz BJJ. Dabei geht es für sie nicht nur um Selbstverteidigung, sondern auch um Ermächtigung, Körperakzeptanz und darum, die Geschichte umzuschreiben, mit der wir ihrer Meinung nach immer noch aufwachsen: „Dass Männer Kämpfer sind und Frauen nicht.“ 

BJJ entstand aus dem japanischen Judo und Jiu-Jitsu. Der Kampf beginnt im Stand, findet aber vor allem am Boden statt. Ziel ist es, sein Gegenüber durch einen Hebel- oder Würgegriff dazu zu zwingen, aufzugeben. Zum Sieg verhelfen aber auch bestimmte Positionen, für die Punkte vergeben werden. Schläge oder Tritte sind im BJJ dagegen tabu.

Hier zählt nicht die rohe Kraft, sondern vor allem Technik. So ist es möglich, selbst körperlich Überlegene zu besiegen. BJJ wird deshalb auch als effektivster Selbstverteidigungssport für Frauen gehandelt. Anna Schmidt teilt diesen Gedanken. In ihrer Jugend habe sie mehrfach Gewalt durch einen Mann erfahren. Und danach habe sie gewusst, sie muss sich verteidigen können. „Ich wollte sicher sein, dass ich auch jemanden, der 85 Kilo wiegt, händeln kann.“

Als sie mit BJJ anfing, begann sie direkt auch mit Krafttraining. „Ich konnte noch nicht so viel Technik und dachte, ich müsste das mit Kraft kompensieren“, erzählt Schmidt. Im Pulli ist ihr nicht unbedingt anzusehen, dass Klimmzüge und einarmige Liegestütze für sie kein Problem sind. Anfangs, sagt Schmidt, habe sie noch vor jeder BJJ-Einheit eine Stunde lang trainiert, um gegen die Männer in ihrem Kurs bestehen zu können. Sie ist sich sicher: Wäre sie in einem FLINTA*-Kurs gewesen, hätte sie sich weniger Druck gemacht.

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Welches Potenzial in Jiu-Jitsu steckt, erkannten schon die Suffragetten, die Anfang des 20. Jahrhunderts in England den Kampf für das Wahlrecht der Frauen aufnahmen. Als eine der ersten Frauen in Europa lehrte die 1,50 Meter große Edith Garrud Aktivistinnen fernöstliche Kampfkünste lehrte, um sich gegen Polizeigewalt und männliche Übergriffe zu wehren. „Jiu-Jitsu war für die Frauenbewegung nicht nur ein Werkzeug zur Selbstverteidigung, sondern auch ein Symbol für Selbstermächtigung und Gleichberechtigung“, heißt es im WDR.

Schon während der zweiten Welle der Frauenbewegung in den Siebzigerjahren entstanden in Berlin Kampfsportstudios, in denen explizit Frauen andere Frauen trainierten. Sie verstanden sich „als Gegenräume gegen die heteronormative Sportkultur“. Und obwohl es inzwischen in einigen deutschen Großstädten Trainingsangebote für FLINTA* gibt, bleiben sie die Ausnahme. In Dresden beispielsweise gab es lange Zeit nur ein einziges Angebot, während herkömmliche Kampfsportstudios über die ganze Stadt verteilt existieren. 

Grund genug für die 33-Jährige, ihren eigenen Kurs zu starten. Seit mittlerweile einem Jahr lehrt Anna Schmidt neben ihrem Job als Hydrobiologin an mehreren Standorten in Dresden BJJ – unter anderem im Kampfsportstudio Virtus im Stadtteil Pieschen. Geld nimmt sie dafür nicht. Die Kurse sind offen für Personen mit und ohne Kampfsporterfahrung, dicke und dünne, trainierte und untrainierte. „Ich möchte so viele FLINTA* wie möglich erreichen.“

Wichtiges Wort in Jiu-Jitsu steckt, erkannten schon die Suffragetten, die Anfang des 20. Jahrhunderts in England den Kampf für das Wahlrecht der Frauen aufnahmen. Als eine der ersten Frauen in Europa lehrte die 1,50 Meter große Edith

Welches Potenzial in Jiu-Jitsu steckt, erkannten schon die Suffragetten, die Anfang des 20. Jahrhunderts in England den Kampf für das Wahlrecht der Frauen aufnahmen. Als eine der ersten Frauen in Europa lehrte die 1,50 Meter große Edith Garrud Aktivistinnen fernöstliche Kampfkünste lehrte, um sich gegen Polizeigewalt und männliche Übergriffe zu wehren. „Jiu-Jitsu war für die Frauenbewegung nicht nur ein Werkzeug zur Selbstverteidigung, sondern auch ein Symbol für Selbstermächtigung und Gleichberechtigung“, heißt es im WDR.

Schon während der zweiten Welle der Frauenbewegung in den Siebzigerjahren entstanden in Berlin Kampfsportstudios, in denen explizit Frauen andere Frauen trainierten. Sie verstanden sich „als Gegenräume gegen die heteronormative Sportkultur“. Und obwohl es inzwischen in einigen deutschen Großstädten Trainingsangebote für FLINTA* gibt, bleiben sie die Ausnahme. In Dresden beispielsweise gab es lange Zeit nur ein einziges Angebot, während herkömmliche Kampfsportstudios über die ganze Stadt verteilt existieren. 

Grund genug für die 33-Jährige, ihren eigenen Kurs zu starten. Seit mittlerweile einem Jahr lehrt Anna Schmidt neben ihrem Job als Hydrobiologin an mehreren Standorten in Dresden BJJ – unter anderem im Kampfsportstudio Virtus im Stadtteil Pieschen. Geld nimmt sie dafür nicht. Die Kurse sind offen für Personen mit und ohne Kampfsporterfahrung, dicke und dünne, trainierte und untrainierte. „Ich möchte so viele FLINTA* wie möglich erreichen.“

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